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Kalium- und Magnesiummangel: Gefahr für Herzpatienten

Sie leiden unter einer Herzerkrankung? Dann sollten Sie regelmäßig die Konzentration von Kalium und Magnesium in Ihrem Blut kontrollieren lassen.

Blutrörchen
Henrik Dolle

So wichtig sind Kalium und Magnesium fürs Herz

Was haben Kalium und Magnesium mit dem Herzen zu tun? Ganz schön viel! Die beiden Mineralien stabilisieren die Herzzellen elektrisch. Das ist wichtig für den Herzschlag. Die Pumptätigkeit des Herzens beruht nämlich im Wesentlichen auf Wechselwirkungen zwischen verschiedenen elektrisch geladenen Teilchen in und außerhalb der Zellen. Die Aufgabe übernehmen unter anderem Kalium und Magnesium. Haben Menschen mit einer Herzerkrankung zu wenig Kalium oder Magnesium im Blut, kann es zu einer gesteigerten Aktivität der Schrittmacher- und Muskelzellen im Herzen kommen. So können in schweren Fällen gefährliche Herzrhythmusstörungen auftreten, die eine Herzschwäche verschlechtern und im schlimmsten Fall auch zu Herzversagen führen können. Meist kommt es nur zu harmlosen Extraschlägen (Extrasystolen), die sich beispielsweise in Form von Herzstolpern bemerkbar machen. 

Wer ist besonders gefährdet? 

Generell sollten alle Menschen mit einer Herzerkrankung ihren Kalium- und Magnesiumhaushalt im Blick haben. Eine besonders sorgfältige Überwachung empfiehlt sich in folgenden Fällen: 

  • Bei Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen
  • Bei einer zusätzlichen Nierenerkrankung Hier kann die Ausscheidung von Magnesium und Kalium über den Urin gestört sein. 
  • Bei der Einnahme von Medikamenten Bestimmte Medikamente können den Elektrolythaushalt beeinflussen. Bei folgenden Medikamenten empfiehlt es sich, den Kaliumwert vor und zwei Wochen nach Therapiebeginn zu bestimmen (gilt auch für Dosisänderungen) und anschließend im halbjährlichen Abstand Kontrollen durchzuführen: 
    • Diuretika (Entwässerungsmittel; z. B. Furosemid, Torasemid, Piretanid, Hydrochlorothiazid, Indapamid, Chlortalidon, Xipamid)
    • ACE-Hemmer (z.B. Captopril, Enalapril, Lisinopril, Ramipril) 
    • Sartane (z. B. Losartan, Valsartan, Candesartan, Irbesartan, Olmesartan, Telmisartan, Eprosartan) 
    • Aldosteronantagonisten (z. B. Spironolacton, Eplerenon) 
    • Digitalispräparate (Digoxin, Digitoxin)

Ab welchen Werten liegt ein Kalium- oder Magnesiummangel vor? 

Bei Kalium liegt der Normbereich zwischen 3,6–4,8 mmol/l, bei Magnesium liegt er bei 0,7–1,05 mmol/l – mit geringen Abweichungen je nach Labormethode. Für Menschen mit Herzrhythmusstörungen ist es oft ratsam, die Kalium- und Magnesiumwerte in hochnormale Bereiche zu bringen, also in die Nähe der oberen Grenzwerte. Dadurch lässt sich in einigen Fällen eine Abnahme der Herzrhythmusstörungen erreichen. Für Kalium können z. B. 4,4 mmol/l sinnvoll sein und für Magnesium 0,9 mmol/l, was individuell mit der jeweils behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt besprochen werden sollte.

Was tun bei zu niedrigen Kalium- oder Magnesium-Werten? 

Grundsätzlich gilt: Magnesium und Kalium sollten nicht als Nahrungsergänzungsmittel ins Blaue hinein eingenommen werden. Das kann kontraproduktiv wirken. In der Regel decken wir unseren Kalium- und Magnesiumbedarf durch die Ernährung ab.

 

Kalium- und Magnesium-Lieferanten

  • Getrocknete Aprikosen
  • Getrocknete Bananen
  • Gemüse
  • Hülsenfrüchte
  • Trockenobst
  • Bohnen
  • Linsen
  • Getreideprodukte
  • Nüsse

Herz-Tipp:

Nur wenn ein Kalium- oder Magnesiummangel tatsächlich durch eine Laboruntersuchung festgestellt wurde, ist es sinnvoll zu überlegen, wie man diesen Mangel behebt. Rät Ihre Ärztin oder Ihr Arzt dazu, ein Präparat einzunehmen, sollte dies kein Nahrungsergänzungsmittel sein, sondern ein Medikament: Kalium am besten als Kaliumchlorid (40 mmol pro Tag) einnehmen und Magnesium als Magnesiumaspartat oder Magnesiumcitrat (10 mmol pro Tag).

Experte

Prof. Dr. med. Andreas Götte
Portrait von Prof. Andreas Götte

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5 Kommentare

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Renate B. Burgwald

Werde mich nach CORONA entsprechend untersuchen lassen, da ich zwei der o.a. Medikamente nehme.

Carmen R. Fürstenberg

Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass ich diese Information erfahren konnte !!!!

Gül Immenstadt

Ich habe seit 2009 eine konorare Herzschwäche und immer wieder Rhythmusstörungen und Herzkrämpfe. Seit 3 Wochen nehme ich regelmäßig Magnesium ein auf Anraten meines Hausarztes. Ich habe keine Krämpfe mehr und keine Herzrhytmusstörungen.Mein Leben ist dadurch wesentlich lebenswerter geworden.

Barbara Straubenhardt

Alle anderen Erklärungen sind auch wunderbar verständlich. Großer Respekt vor Hochspezialisten, die ihr Wissen so verständlich weiterzugeben verstehen.

Kathi Meersburg

Super Informationen. Sollten auch manche Internisten u. Kardiologen dringend durchlesen.